BESTE TISCHE: JUNI 2026

Restauranttipp für Paris: L’Esquisse

© Bonappetrip / Angelika Schwaff

Montmartre. Die Touristen ziehen durch die Gassen auf der Suche nach Sacré-Cœur oder der fabelhaften Welt der Amélie Wer weiß, wo es hingeht, biegt schon vorher ab. Laëtitia Bret hat an der Ferrandi gekocht, dann im Ritz, dann im Bistral, einem der ersten Naturweinbistros der Stadt. Mit 29 war sie dort Küchenchefin. 2014 hat sie dann das L’Esquisse eröffnet, hoch oben auf der Butte, gemeinsam mit Naturweinspezialist Thomas Meunier. Wenn ich könnte, würde ich hier jede Woche essen. Für mich gab es Muscheln in kalter Kokosmilch mit Gurke, Staudensellerie und Verveine. Artischocke mit Kartoffeln, Erbsen und Labneh. Zum Schluss eine Tarte mit Ingwerconfit. Ein zum Niederknien gutes Mittagsmenü, für unfassbare 26 Euro. L’Esquisse bedeutet Skizze, aber was hier auf den Teller kommt, ist längst kein Entwurf mehr. Mein neuer Lieblingsort in Paris. Ein MUSS für jeden, der gutes Essen in herrlich entspannter Atmosphäre liebt.

L’Esquisse, 151 bis Rue Marcadet, 75018 Paris

 

Restauranttipp für Paris: Dandelion

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Paris ist ein Dorf. Zumindest wenn man weiß, dass Antoine Villard, Küchenchef und Mitbesitzer des Dandelion, vorher im Septime gearbeitet hat und danach bei Tatiana und Katia Levha im Double Dragon. Sein Restaurant führt er gemeinsam mit Morgane Souris, die den Saal leitet und die Weinkarte kuratiert. Übrigens war dieses Restaurant auch die einzige Ausnahme, die ich bei meinem Aufenthalt gemacht habe. Schließlich steht hier keine Küchenchefin hinter dem Pass. Dandelion liegt auf einem kleinen Bilderbuchplatz in der Rue des Vignoles, weit weg vom Touristenstrom, in einem meiner Lieblingsviertel, Charonne. Für mich gab es das Mittagsmenü, köstliche Haricots verts mit Basilikum-Minze und Sesam-Mandel-Sauce, Wildfang-Gelbfisch mit Akazienbutter, Geranie und weißem Spargel. Ultrapräzise. Schlicht perfekt. Man sollte frühzeitig reservieren und es sich dann hier einfach gut gehen lassen. Denn hier isst man wie eine Göttin in Frankreich.

Dandelion, 46 Rue des Vignoles, 75020 Paris 20

 

Restauranttipp für Paris: Paloma

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Hierher verirren sich nur wenige Touristen. Noch. Marie-Anna Delgado und Olivia Brunet haben sich an der Kunsthochschule Beaux-Arts kennengelernt. Irgendwann hatten sie eine verrückte Idee – wir machen was mit Essen. Also lernte Marie-Anna zu kochen und Olivia zu tischlern — und dann bauten sie gemeinsam ihr Restaurant in Belleville, buchstäblich mit eigenen Händen. Olivia hat die Tische gebaut und auch die Terrassen Maria-Anna und ihr fast ausschließlich weibliches Team kreieren täglich ein Menü, das die gesamte Nachbarschaft auf die Beine bringt. Jeden Mittag gibt es hier eine kleine Schlange (denn man kann nicht reservieren), aber es geht zügig voran. Man fühlt sich gut aufgehoben, kulinarisch und auch als einzelessender Gast. Ach ja – das Menü gibt es für sicherlich konkurrenzlose 17 Euro. Paris ist eben eine belle ville.

Paloma, 93 Rue Julien Lacroix, 75020 Paris

 

Restauranttipp für Paris: Le Servan

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Tatiana und Katia Levha: Die Mutter Philippinerin, der Vater Pole, aufgewachsen sind sie in Paris. Tatiana hat bei Alain Passard in der Arpège und bei Pascal Barbot in der Astrance gelernt, beide drei Sterne Michelin. Dann war es 2014 Zeit für ihr eigenes Restaurant. Die beiden Schwestern eröffnen das Le Servan, das seitdem als einer der prägendsten Tische im neuen Paris gilt. Nicht wegen eines Sterns, denn den haben sie nie angestrebt, sondern weil sie gezeigt haben, wie Küche heute sein kann. Geerdet, neugierig, weiblich geführt. Die Karte wechselt täglich, die Portionen sind klein und zum Teilen gedacht. Was auf den Tisch kommt, ist präzise, entspannt und ohne jede Attitüde. Eines der besten Bistros der Stadt und das seit über zehn Jahren.


Le Servan, 32 Rue Saint-Maur, 75011 Paris

 

restauranttipp für ParIS: Café de l’Usine

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Vielleicht der schönste Mittagstisch in ganz Paris. Alice Arnoux, 31 Jahre alt, hat drei Jahre im Noma gearbeitet und war davor bei Alexandre Couillon in La Marine, drei Sterne Michelin. Und dann hat sie sich für einen schattigen Innenhof in einer alten Schuhfabrik im 11. Arrondissement entschieden. Das Café de l’Usine ist ihr erstes eigenes Restaurant, winzig, fein und als ich da war, auch mittags bis auf den letzten Platz voll. Die wöchentlich wechselnde Karte ist kurz und präzise, die Produkte von Erzeugern, die sie persönlich kennt. Ich habe Alice Arnoux per Zufall getroffen. Sie nahm sich trotz eines vollen Tages Zeit für mich. Sympathisch, einnehmend, extrem positiv. Mein Lunch war unglaublich lecker, frisch und sehr reichhaltig. Einfach ein Traum.

Café de l’Usine, 5 Passage Piver, 75011 Paris

 

restauranttipp für ParIS: Pouliche

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Sie hat Pharmazie studiert, hat sich darin aber gelangweilt und dann Pizzen serviert. Und sich dort aber für eine Karriere in der Gastronomie entschieden. Das führt zu einem beachtlichen CV. Denn ihr Weg führt an den Großen vorbei. Amandine Chaignot kochte bei Ducasse, Piège, Fréchon und Alléno, den ganz großen Namen der französischen Haute Cuisine. Dann war sie Jurorin bei MasterChef France. Und hat dann schließlich ihr eigenes Bistro aufgemacht. Pouliche liegt im 10. Arrondissement, dort, wo früher die königlichen Ställe von Paris standen. Passender geht es kaum, denn ein Kollege hatte ihr beim Bocuse d’Or (einem Kochwettbewerb von Spitzenköchen in Lyon) den Spitznamen „Pouliche“ gegeben, Jungstute, und sie hat ihn sich einfach genommen. Die Karte wechselt täglich, man wählt nur den Hauptgang selbst. Bei mir: ein dreiteiliger Starter, das legendäre “Poulet du dimanche” in einer wunderbaren klaren Sauce mit einem Kartoffelpüree, das ich so schnell nicht vergessen werde. Geht hin!

Pouliche, 11 Rue d’Enghien, 75010 Paris

 

restauranttipp für ParIS: BRU

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Tropico-franchouillard. Schwer auszusprechen, aber das Kochprogramm bei Julia de Laguarigue. Es bedeutet so viel wie tropisch und stockfranzösisch zugleich. Aufgewachsen auf Martinique, kam Julia dann nach Paris zum Studium. Es folgt ein Konzernjob und recht schnell die Erkenntnis, dass das nicht das Leben sein kann. Also Kochschule, erste Küchen und dann ihr eigenes Lokal im 9. Arrondissement. BRU hat seinen Namen von der Rue La Bruyère, an deren Ecke es liegt. Eröffnet September 2024, sofort Bib Gourmand Michelin. Das köstliche Mittagsmenü gibt es für 29 Euro. Bei mir waren das Eggs Mayo mit Madras Curry, geräuchertes Huhn Colombo-Style, Kokoskuchen mit Karamell. Martinique trifft Paris und es funktioniert wunderbar.

BRU, 28 Rue Jean-Baptiste-Pigalle, 75009 Paris

 

restauranttipp für ParIS: Almas

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Eine Journalistin, eine Lehrerin, eine Grafikerin. Maryam Levy, Anna Kazachek und Sandra Sfeir haben ihre Wurzeln im Iran, Russland und dem Libanon. Kennengelernt haben sie sich in den Küchen von Alessandra Montagne. Almas bedeutet Diamant, auf Russisch, Persisch und Arabisch. Eröffnet wurde im Februar 2025 in der Rue de Chabrol, nahe den beiden großen Bahnhöfen in Paris. Die Wände sind mit Familienfotos geschmückt, die Atmosphäre heimelig und warm. Ihr Signature-Gericht: Almas, kleine gefüllte Teigtaschen russischen Ursprungs, gefüllt mit den Aromen dreier Kindheiten. Dazu zum Beispiel ein erfrischender Gurkensalat und eine hausgemachte Rhabarber-Erdbeer-Limo. Leckerste Sie kochen und bedienen selber.  ist das Almas ein Restaurant? Ein Café? Ein Wohnzimmer? Schwer zu sagen. Aber wichtiger ist: Man fühlt sich sofort wohl, gut aufgehoben und wärmstens willkommen.

Almas, 48 Rue de Chabrol, 75010 Paris

 

restauranttipp für ParIS: Mischief

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Erica Paredes ist auf den Philippinen aufgewachsen, dann ging es nach Australien, Großbritannien, in die USA und schließlich nach Paris, wo sie an der Cordon Bleu studiert hat. 2017 hat sie einen Supperclub gestartet und in ihrer eigenen Wohnung gekocht, für Fremde, von denen sicherlich einige Freunde, vor allem aber Fans wurden. Ihr Restaurant Reyna zählt zu meinen festen Lieblingsrestaurants in Paris, und normalerweise wäre ich wie jedes Mal, wenn ich hier bin, wieder ins Reyna gegangen, aber Erica hat etwas Neues eröffnet . Ihr zweites Restaurant heißt Mischief, auf Deutsch: Unfug. Haut-Marais, 3. Arrondissement. Warme Terrakotta-Töne, gebürsteter Edelstahl, eine runde Theke um die offene Küche…  ideal also für Alleinreisende wie mich (UND KLIMAANLAGE!). Bei mir gab es Hamachi-Carpaccio, fast schon ein Ceviche. Gepresstes Lamm in Pho-Sauce mit Gremolata, das Fleisch fiel auseinander. Nebenan saß ein junger Amerikaner, der sich gar nicht mehr einkriegte über sein Fried Chicken – und mich probieren ließ. Für den Gang wurde sie schon ausgezeichnet, kein Wunder. Absolute Perfektion Ein schöner Laden, nicht so inspirierend FUSION aus Filipino und Französisch, aber genauso spannend. 

Mischief, 25 Rue des Gravilliers, 75003 Paris

 

Restauranttipp für Berlin: HIER

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Kein Pfeffer (auch wenn es auch dem Bild so aussieht… das ist Kümmel!). Kein Olivenöl. Kein Espresso. Das klingt erst mal nach Verzicht, ist aber nur eine konsequente Haltung. Das HIER hat Anfang Juni in der AchtBerlin an der Schönhauser Allee 8 aufgemacht und serviert ausschließlich Mittagessen. Hinter dem Konzept steckt Marc Schmidheiny, die Küche verantwortet Chiara Strobl, gelernt bei Mraz & Sohn (wir hatten Lukas Mraz als ersten Gast unseres Podcasts) in Wien, danach Nobelhart & Schmutzig, zuletzt Küchenchefin im Lode & Stijn. Was auf den Tisch kommt, ist konsequent regional und saisonal: Was nicht in der Region wächst, kommt nicht rein. Statt Kaffee gibt’s Muckefuck aus Lupinen und Gerste. Offenlegung. Ich war zum Presselunch eingeladen – und war tatsächlich sofort verliebt. Es ist genau die Art Küche, die ich selbst zu Hause auch gerne koche, aber irgendwann habe auch ich eben mal küchenfrei – dann werde ich mittags wohl im HIER sein.  

hier: Schönhauser Allee 8 (AchtBerlin), 10119 Berlin (nur Mittags!)

 

Restauranttipp für Berlin: Nichi Getsu

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Kurz vor Paris ging es für mich noch nach Friedrichshain. Ins damals frisch eröffnete Nichi Getsu. Dahinter steckt das Team des Shiori, für mich schlicht das beste japanische Kaiseki-Restaurant Berlins, das seit Jahren leise, aber unaufhaltsam besser wird. Ihr neues Lokal in der Rotherstraße ist ein Counter-Style-Edomae-Sushi-Restaurant: die traditionelle Tokioter Sushi-Form, bei der der Fisch durch Marinieren, Räuchern und Einlegen veredelt wird. Kein roher Supermarkt-Lachs, sondern echtes Handwerk. Ich war mit meiner Genussfreundin Soo hier und wir waren uns sofort einig: Der Reis allein war eine Offenbarung. Das Interieur ist so durchgestylt, dass man kurz vergisst, in Berlin zu sein. Eine echte Ansage.

 Nichi Getsu, Rotherstraße 16, Berlin-Friedrichshain

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BESTE TISCHE: Mai 2026